Brandschutt - teure Entsorgung

Wenn Schutt teurer kommt als Brand

Folgendes gilt nicht nur für Landwirte!!

Strenge Umweltgesetze gefährden die Existenz von landwirtschaftlichen Betrieben, besonders dann, wenn nicht vorgesorgt wird. Vor allem Brandschuttentsorgung ist mittlerweile so teuer, dass nicht Brand, sondern Schutt oft Ursache für Existenznöte ist. Immer noch nicht orientieren sich alle Landwirte bei Abschluss oder Ergänzung ihrer Versicherungsverträge an geänderten Rahmenbedingungen. Das sollten sie schleunigst nachholen.

Wiederholt sind in den letzten Jahren Brandfälle mit extrem erhöhten Kosten für Abbruch- und Aufräumungskosten aufgetreten. Das jeden falls haben Fachleute der Versicherungskammer Bayern und ihre Kollegen in den anderen Bundesländern beobachtet. Die vorgesehene Entschädigung für diese Kosten hat nach ihrer Aussage bei weitem nicht für die Deckung der Kosten ausgereicht. Die Folge, Gebäudeeigentümer sind auf den Kosten sitzen geblieben.

Schwer getroffen

Vor allem landwirtschaftliche Betriebe gehörten zu den betroffenen Fällen. Die Tagespresse titelte daraufhin: »Trotz Feuerversicherung ruinöse Brandschäden» oder »Brandschutt oft schwer zu entsorgen». Hierzu zwei Beispiele. Erstes Beispiel: Bei Totalschaden von zwei landwirtschaftlichen Gebäuden (übliche Bauweise) mit einem Gebäudewert von rund 400 000 Euro entstanden alleine Deponiekosten von etwa 180 000 Euro. Hinzu kamen noch die Aufwendungen für Restabbruch und Transport. Nach den Versicherungsbedingungen erhielt der Landwirt fünf Prozent des Gebäudewertes als Entschädigung für diese Aufwendungen. Durch den Versicherungsschutz war damit zwar der Wiederaufbau gesichert, die ungedeckt hohen Kosten für Brandschuttentsorgung führten jedoch zur Existenzgefährdung des Betriebes.

Zweites Beispiel:

Nach Totalschaden einer Maschinenhalle mussten alleine für die Entsorgung von Asbestzementresten Kosten von zirka 50000 Euro aufgewendet werden. Bei beiden Fällen handelte es sich um übliche landwirtschaftliche Betriebe und Gebäude. Mit anderen Worten: Jedem Landwirt kann es ähnlich ergehen.

Problemstoffe weit verbreitet

Wolfgang Raab, Risikoexperte der Versicherungskammer Bayern: »Unter schätzt werden vor allem die Kosten für die Entsorgung von asbesthaltigen Baustoffen, die vor Jahren von Landwirten als Dacheindeckung oder Kniestock- und Fassadenverkleidung gerne und daher häufig eingesetzt wurden. Auswertungen haben ergeben, dass zum Beispiel die Entsorgung von Dachplatten aus Wellasbestzement etwa soviel kostet, wie eine neue Eindeckung (35 bis 40 Euro pro Quadratmeter)». Häufig werden bei der Entsorgung kleine Teile dieser Asbestzement platten mit dem Heustock vermischt. Das verteuert die Entsorgung extrem. »Reines» Heu kann, auch wenn es angebrannt sein sollte, kompostiert werden, vermischt ergeben sich Entsorgungskosten zwischen 250 bis 500 Euro pro Tonne. Bei Gebäuderesten fallen verhältnismäßig große Mengen an Bauschutt an, die im wahrsten Sinn des Wortes ins Gewicht fallen. Beim ersten Beispiel mussten etwa 1500 Tonnen Abfall entsorgt werden.

Extrem gestiegene Entsorgungskosten

Im privaten Bereich muss der Hausmüll sortiert und in gelbe, graue oder grüne Tonnen geworfen werden. Die »Recyclingprodukte« sind in Wertstoffsammelhöfen abzuliefern, und für das alles werden immer höhere Gebühren fällig. Eine vergleichbare Entwicklung gibt es beim Brandschutt. Das Kreislaufwirtschafts und Abfallgesetz (KrW/AbfG) verpflichtet Wirtschaft und Bürger zur Schonung natürlicher Ressourcen und Sicherung der umweltverträglichen Beseitigung von Abfällen. »Brandschutt« ist im Abfallrecht allerdings nicht definiert — da es sich um keinen regelmäßig anfallenden Abfall handelt, sondern um eine nicht »vorher sehbare Katastrophe Die Folge, Brandreste werden unterschiedlich eingestuft. Risiko-Experte Raab: »Alle Abfälle, auch der Brandschutt, müssen vor der Entsorgung gründlich sortiert werden, um wie der verwertbare und organische Stoffe möglichst vollständig vom anorganischen Bauschutt zu trennen. Der Aufwand ist hoch und kostet damit viel Geld. Ist die Trennung nicht möglich, müssen noch höhere Deponiekosten für den »vermisch ten Bauschutt« gezahlt werden«. Beispiel:

Angebranntes Heu vermischt mit Asbestzementteilen kostet mehr als 300 Euro pro Tonne plus Arbeitsaufwand, falls es in so genannten Big Bags entsorgt wird. Die Trennung der umweltschädlichen »Mischung« kostet pro Tonne angebranntes Heu rund 60 Euro und pro Tonne Asbestzement weit mehr als 200 Euro. Im Ergebnis lohnt sich der Aufwand für die Trennung. Im vorliegenden Beispiel liegen die Entsorgungskosten des >vermischten« Heustocks, je nach gewählter Methode, zwischen 50 000 und 100 000 Euro. Wegen unterschiedlicher Beurteilung des Abfallbegriffs, aber auch durch unterschiedliche Lagergüter, zum Beispiel Heu oder Stickstoffdünger, ist es nahezu unmöglich, die voraussichtlichen Entsorgungskosten für einen Brandschaden zu kalkulieren. Schätzungen liegen bei einem Großschaden in einer Streubreite von etwa 5 bis 20 Prozent, in Extremfällen sogar weit darüber.

Brandschutt Deckung erhöhen

In aller Regel reicht zumindest der in früheren Verträgen standardmäßig ein geschlossene Versicherungsschutz in vielen Fällen nicht aus. Eine auf der sicheren Seite liegende Versicherung auf erstes Risiko ist für Kunden jedoch sehr teuer. Mit speziellen Deckungen für die Entsorgung von Brandschutt kann der Landwirt vorbeugen. Eine Anfrage bei der eigenen Versicherung sollte möglichst schnell geschehen. Gute Versicherungen haben eine kostengünstige Brandschutt Deckung als modularen Bestandteil von Verträgen, die im Falle eines Falles das mittlerweile hohe Risiko gestiegener Aufräumungs- und Abbruchkosten, Feuerlöschkosten, Bewegungs- und Schutzkosten bis zur Höhe der gesamten Versicherungssumme für Wohnhaus- und Wirtschaftsgebäude abdeckt. bo

Bei Totalschaden von zwei landwirtschaftlichen Gebäuden üblicher Bauweise mit einem Gebäudewert von rund 400 000 Euro entstanden alleine Deponiekosten von etwa 180 000 Euro.
Nach Totalschaden einer Maschinenhalle mussten alleine für die Entsorgung von Asbestzementresten Kosten von zirka 50 000 Euro aufgewendet werden. Werkfotos
Fundstelle: Allgäuer Bauernblatt; Ausgabe 14/2004; AVA-Agrar Verlag Allgäu GmbH; Kempten